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PROJEKT




Erst durch die Vertonung des Films wurde das erzählerische Potenzial der Filmmusik erkannt. Durch ihren gezielten Einsatz im Film konnten visuelle Vorgänge musikalisch detaillierter untermalt werden. Somit können Stimmung und Atmosphäre im Film sowie Emotionen und Bewegungen der Figuren durch den passenden musikalischen Einsatz widergespiegelt werden. Trotz ihrer bedeutenden Funktion innerhalb des Filmgeschehens, liegt die Vermutung nahe, dass Filmmusik oftmals lediglich als Hintergrundmusik unbewusst vom Rezipienten wahrgenommen wird.

Durch die soeben geschilderte These stellt sich die Frage, inwieweit Musik als wesentliches Handlungselement im Film eingesetzt werden kann (ohne dabei an einen Musik- oder Musicalfilm anzugrenzen), um vom Rezipienten bewusst wahrgenommen zu werden. Musik soll demnach nicht nur das Filmgeschehen unterstützen, sondern dieses aktiv beeinflussen. Anstelle Musik in den Hintergrund des Films zu drängen, wird diese zum Vorschein gebracht, indem sie Teil der narrativen Ebene wird.

Rezipienten werden dadurch auf die musikalischen Elemente aufmerksam, die als Teil der Handlung zu verstehen sind und entschlüsselt werden müssen. Somit findet eine aktive Auseinandersetzung mit den gehörten Tönen statt. In Folge dessen sollen die Inkorporation von Musik im Film gesteigert und (neue) narrative Einsatzmöglichkeiten gezeigt werden.

Im Rahmen dieses Masterprojekts wird ein Kurzfilm inszeniert, indem der Einsatz von Musik vorrangig erzählerischen Zwecken dient. Das Hervorbringen der „Hintergrundmusik“ wird zusätzlich durch die Anlehnung an eine reale Gegebenheit verstärkt. Denn auch im Alltag begegnet man funktioneller Musik – ob im Fahrstuhl, im Ladengeschäft oder im Restaurant. Diese Musik soll zwar zum Erlebnis innerhalb des jeweiligen Raums beitragen, aber wird nicht immer bewusst von den anwesenden Personen wahrgenommen.

Als Kulisse dient hierfür der Ausgang der Stuttgarter Klett-Passage in Richtung Kriegsbergstraße, da in diesem Bereich des Hauptbahnhofs durchgängig klassische Musik zu hören ist. Die musikalische Untermalung alltäglicher Geschehnisse kann schnell in den Hintergrund des öffentlichen Lebens geraten. Dieser Kurzfilm soll genau diese Laute thematisieren, um sie in den Vordergrund und somit auch ins Bewusstsein des Rezipienten zu rücken. Die Filmmusik stellt somit ein wichtiges Handlungselement dar. Dies wird verstärkt, indem die verwendete Musik auf die narrative Ebene reduziert wird. Das bedeutet, dass sie nicht nur das Filmgeschehen unterstützt, sondern dieses beeinflusst und vorantreibt. Dadurch werden sich die Zuschauer*innen aktiv mit der Filmmusik auseinandersetzen und deren Bedeutung für die Handlung des Films hinterfragen.